Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Zum Hauptinhalt springen

Prof. Dr. Anni Seidl

Reale politische Angebote machen

Wir müssen reale politische Angebote machen, die dem gegenwärtigen Kräfteverhältnis entsprechen und es auch mit anderen verändern.

Das ist meine persönliche Meinung als langjähriges Parteimitglied vor und nach 1989, meist in Parteifunktionen, auch heute noch, d.h., ich habe diesen langen, äußerst widersprüchlichen Prozess nicht als Zuschauerin, sondern als Akteurin erlebt und mitgestaltet, lese und diskutiere mit auch politisch unterschiedlich denkenden Bürgern, letztlich haben mich jetzt das diskussionswerte Buch von Rolf Reissig und die Rede von Gysi in Leipzig sowie die Teilnahme an einer Veranstaltung der SPD "Glanz und Elend der SPD" in der Friedrichstadtkirche  bewogen, Euch meine Position auch als Mitglied der Historrischen Kommission und des Ältestenrates aufzuschreiben, denn wir haben an der Situation der Partei wie am Aufstieg der AfD selbst schuld, also müssen wir es ändern, ohne Machtgehabe und Machtkämpfe, die das normale Parteimitglied seit langem nicht mehr versteht, wir sollten endlich begreifen, was wir real können und müssen und mit wem. Letztlich geht es nicht um das Zählen von Wählerstimmen, es geht um unsere politische Existenz unter gravierend veränderten Bedingungen.

Übrigens, ich habe nicht die Weisheit gepachtet, es ist meine Meinung und ich wehre mich damit auch gegen die Ausgrenzung von uns DDR-Intellektuellen nach 1989, auch wir können und konnten immer politisch denken.

Meinung: (meine analytischen Gedanken zur Lage unserer Partei, die ich leider vom PV vermisse)

Der in den schlechten Wahlergebnissen sichtbar werdende Niedergang der Partei ist für mich die Quittung für einen längeren Prozess, den wir, damit meine ich v.a. die gewählten Funktionäre, nicht sehen wollten, d.h., wir haben uns zu oft etwas vorgemacht. Zu diesen lang wirkenden Prozessen zähle ich v.a.:

a) Unsere Ignoranz gegenüber dem Inhalt und der Wirkung der Beschlüsse der Antihitlerkoalition bis heute (machtpolitisch, mental und in der Lebenswirklichkeit existierende Unterschiede u.a.m., auch ein Problem der SED), denn die beiden deutschen Staaten und ihre Entwicklung sind das Produkt und der nie beendete Kampf zwischen Ost und West, zwischen Russland und Amerika bis heute um die Frage , wer bestimmt in der Welt, die eine Macht humanistisch bis stalinistische Machtstrukturen bestimmend wurden und damit auch das Erbe der Oktoberrevolution verrieten und der Westen unter Führung der USA, der sein ganzes militärische und ökonomisches Potential nutzte, um endlich Deutschland als Mitspieler auszuschalten.

b) Damit hängt eine bis heute nicht oder nur begonnene Auseinandersetzung mit dem Stalinismus zusammen, sie holt uns heute ein, s. Beschluss des EU-Parlaments zur Geschichte ( siehe u.a. Artikel von Martin Schirdewan im nd vom 17.Oktober 2019), darin eingebettet ist die Ignoranz gegenüber dem z.T. verheerenden Versagen vieler  KP, auch der KPD, (bis heute nicht aufgearbeitet) (Geschichtsignoranz ist Gift), damit hängt auch unser Verhältnis zur SPD zusammen bis heute, oft fehlt Sachlichkeit u.a.m., denn wir waren schon mal weiter s.1987 u.a.m.

c) Wir haben auch gekniffen, mit Ausnahme einzelner Genossen, bis heute vor einer sachlichen  Auseinandersetzung und Standpunktbildung zum Zusammenbruch des sozialistischen Versuchs und damit auch den Schlussfolgerungen, der Außerordentliche Parteitag hat Wesentliches geleistet, aber hat es die Bürger bewegt, haben wir je ihnen geholfen, die ganze Widersprüchlichkeit dieses Versuchs unter sowjetischer Führung zu begreifen, einschließlich des vollen Versagens der politischen Führung (offensichtlich bis heute nicht. Auftreten von Krenz in Marzahn hilft uns bestimmt nicht.) Kümmererpartei ist dafür nicht die Lösung gewesen, die westlichen Medien haben es bei einem Stasisyndrom belassen, mager und falsch, und was haben wir verständlich entgegen gesetzt, haben wir nicht die Bürger nach dem Zusammenbruch durch die Treuhand, wo gelebtes Leben über Nacht  wegbrach mit ihren Problemen zu oft alleine gelassen, die AfD hat das alles weidlich genutzt.

d) Betrifft es das Zusammenwachsen von Ost- und Westlinken . Die Bildung der Partei DIE LINKE war richtig, aber das undifferenzierte Tempo, das Ausklammern ihrer bisherigen Entwicklung und Erfahrungen, wo blieb das? Diese gravierende Unterschiedlichkeit in ihrer politischen Sozialisation und ihre gravierend anderen Lebensbedingungen klaffen bis heute auseinander wo spielt das eine Rolle? Ich verkneif mir reale Erfahrungen.

 e) Aus all diesen Fakten hat die AfD, gerade auch mit ihrer durch die in der alten BRD geprägten Führungsspitze, ihren Nutzen gezogen, deshalb geht es heute nicht primär darum, sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen, sondern wir müssen politisch anders mit den Menschen umgehen, der AfD jegliche Angriffsflächen aus der Hand nehmen und die Menschen/Bürger so nehmen, wie sie sind, nicht, wie wir sie gern hätten, da bedarf es nicht eines utopischen Wunschkatalogs, sondern Vorhaben, die verständlich sind und helfen, viele mitzunehmen, die in einem längeren Prozess zu einem neuen Kräfteverhältnis führen, d.h. auch, nicht alles von anderen abzulehnen, sondern es nach Möglichkeiten abzutasten, kompromissbereit zu sein und nicht besserwisserisch.

f) Beginnend bei uns selbst, haben wir jedem Genossen, Bürger zu helfen, zu begreifen, wir leben in einer Zeit gravierender Veränderungen ( siehe R. Reissig, sein neues Transformationsbuch), vielleicht hilft dabei auch ein Besuch im Futurium, es ist das Morgen, das heute beginnt und begonnen hat, die Politik, auch unsere, tut sich da mehr als schwer, ob, wann und wie ein Systemwechsel erfolgt ist mehr als offen, auch ob der den Namen Sozialismus hat, aber wir brauchen erst mal den Erhalt demokratischer Lebensbedingungen, brauchen soziale Lebensbedingungen.

Dazu müssen wir mehr als nachdenken, müssen reale politische Angebote machen, die dem gegenwärtigen Kräfteverhältnis entsprechen und es auch mit anderen verändern, allein geht nichts.

Zurück zur Übersicht